Geschichte Vereinsreben
Den Rechnungsbüchern des Vereins kann entnommen werden, dass verschiedene Gönner den Verein bei Übungen und Auftritten mit Bier den Durst zu stillen versuchten. Wir können heute nicht mehr feststellen, ob diese Quellen versiegten, mehr Bier statt Wein vorhanden war oder eventuell die Bierpreise stiegen oder der Wein billiger war – jedenfalls wurde an der Generalversammlung 1937 beschlossen eigene Reben anzuschaffen.
Eine Rebkommission, vertreten durch die Mitglieder Venetz Pius, Ernst Zumstein und Michael Bertholjotti wurde beauftragt nach einem geeigneten Weinberg Ausschau zu halten und den Kauf zu tätigen. Im Vereinsprotokoll vom 27. Januar 1937 lesen wir, dass bei einer Versteigerung von Michael Gsponer in Stalden drei Parzellen Reben von 437 und 582 m2 zum Preis von Fr. 260.– gekauft wurden. Im Sitzungsprotokoll vom 21. März wurde eine weitere Parzelle, gelegen beim neuen Haus in Neubrück von Emil Ruppen Stalden zum Betrag von Fr. 125.– dazu gekauft.
Die Mitglieder hafteten solidarisch mit einem Wechsel der Kantonalbank. Zum ersten Rebmechteral wurde Michael Bertholjotti ernannt. Als Reblohn wird ihm der «Jännu» überlassen. Jedes Mitglied hat einen Tag Rebwerk zu leisten oder Fr. 5.– Rebbeitrag zu bezahlen.
Es fehlte nun noch ein geeigneter Keller. Das Gesuch an die Burgerschaft zur Überlassung des sogenannten Schützenkellers im Burgerhaus wurde bewilligt. Der Keller war in einem ziemlich verwahrlosten Zustand und als Bedingung wurde die Instandstellung verlangt. Diese Arbeit wurde im Frondienst geleistet. Bis heute wird dieser Keller vom Verein benutzt und dient für gelegentliche Treffen.
Bis Ende der 80er Jahre wurde der Wein noch selber eingekellert und verwertet. Der bis zu 700 Liter eingekellerte Wein fand jahrelang Absatz bei verschiedenen Vereinsanlässen der Dorfvereine und trug so für die Vereinskasse einen willkommenen Zustupf.
Mit geringerem Absatz und der Zunahme von Jungmitgliedern wurde der Weinkonsum immer geringer und man beschloss im Herbst die Trauben an eine Kellerei abzugeben und die benötigte Menge Wein in Flaschen von dieser zurückzukaufen. Das Rebwerk wurde bis heute beibehalten. Mit dem Verschwinden der eigenen Einkellerung verschwanden auch die «Abusitz’s» nach den Übungen und der gelegentliche gemütliche Hock wird vor allem von den älteren Mitgliedern heute noch vermisst.
Der wohl letzte Mechteral, Simi Noti, hat einmal nach einem Rebwerk folgenden Ausspruch getan: «Es ist wirklich schade, dass dem eigenen Wein nicht mehr zugesprochen wird. Hatte man früher beim Rebwerk drei bis vier «Fiasgen» benötigt um den Durst zu stillen, ist heute eine zu viel. Man müsse sich ernsthaft überlegen, ob man die Weinstöcke nicht herausreissen und Mineralwasser oder Bier anpflanzen solle. Oder muss sich der Mechteral selber unter das Fass legen und die «Spina» rinnen lasen, damit im Herbst das Fass leer ist.»
Die Vorstandssitzungen fanden fast immer im Vereinskeller statt. Mancher Disput wurde mit einem Schluck aus dem eigenen Fass geschlichtet und geregelt.
Ältere Mitglieder wissen zu berichten, dass zu Beginn der Rebgeschichte noch mit Trommel- und Pfeifenspiel in die Reben gezogen wurde, und am Ende des Tagwerks marschierte man zurück in den Vereinskeller. Vor und nach dem Arbeitsbeginn wurde kräftig gespielt und der «Bottiglia» zugesprochen. Der Abschluss dauerte oft bis in die späten Abendstunden und es wurde gespielt, gefachsimpelt und dem edlen Saft der Reben zugesprochen. Der Schreibende erinnert sich noch gut an die «Sitzungen» im Keller, und dass am Ende der Kopf nicht vom Wein, sondern vom vielen Diskutieren und Gedankenaustausche hämmerte. Heute hat sich dieser Brauch geändert und man geht lieber direkt nach Hause oder besucht ein Wirtshaus.
Trotz verschiedenen Vorstössen durch Mitglieder, die Reben zu verkaufen, hat der Verein bis heute diese Reben erhalten und bewirtschaftet sie auch selber. 2001 wurden die Rebstöcke dem gegenwärtigen Trent der Neuzeit entsprechend auf Draht gesetzt und neu bepflanzt. Die früheren strengen Arbeiten wie Mist in die Reben tragen, den Boden umstechen, Jäten und andere Arbeiten gehören der Vergangenheit an, das Bewirtschaften der Rebparzellen hat der Neuzeit entsprechend eine Anpassung erfahren. Geblieben ist noch das Rebwerk der Mitglieder, wobei Stunden statt Tage gearbeitet wird. Der Ertrag ist ein willkommener Zustupf in die Vereinskasse und es ist zu hoffen, dass dieser Brauch zusammen mit dem Verein noch lange Bestand hält und auch in Zukunft mit Genuss ein Glas Wein getrunken wird, auch wenn es sich nicht mehr der vielgepriesene «Neuhauser» aus dem eigenen Fass und Keller ist.
Folgende Mitglieder haben den Reb- und Kellerdienst geleistet
Bertholjotti Michael (11 Jahre), Imseng Marinus, Clemenz Alfons (11Jahre), Bertholjotti Ernst (5 Jahre), Berchtold Johann (3 Jahre), Venetz Raphael (2 Jahre) Summermatter Hermann (5 Jahre), Bertholjotti Louis (10 Jahre), Clemenz Marius (6 Jahre), Bertholjotti Josef-Marie, Juon Hans-Rüedi (5 Jahre), Briggeler Pius (5 Jahre), Zuber Pascal (5 Jahre) Briggeler Stefan, Venetz Anton (3 Jahre), Noti Simon (8 Jahre). 2004 bis 2024 waren verschiedene Vereinsmitglieder und ab 2012-2024 Briggeler Pius und Briggeler Mary zusammen mit Veteranen des Vereins für die Reben verantwortlich. Neu ab 2024 übernimmt das Freimitglied Patrick Wissen diese Aufgabe für unser Verein.